Hausnotruf im Ausland 2026:

Funktioniert der Notrufknopf auch im Urlaub?

Sebastian Neugart

Das Wichtigste in Kürze

Ein klassischer, stationärer Hausnotruf funktioniert im Auslandsurlaub nicht, da seine Reichweite am Gartenzaun endet. Ein mobiler Hausnotruf mit GPS-Ortung und integrierter SIM-Karte hingegen funktioniert dank der EU-Roaming-Verordnung im gesamten EU-Ausland sowie in den EWR-Staaten ohne zusätzliche Mobilfunkgebühren. Voraussetzung ist eine aktive Mobilfunkverbindung vor Ort. Die Pflegekasse bezuschusst anerkannte mobile Notrufsysteme ab Pflegegrad 1 mit 25,50 Euro monatlich, übernimmt jedoch keine reinen Auslands-Zusatzpakete. Für Reisen außerhalb der EU (z. B. Türkei oder Tunesien) ist eine vorherige Freischaltung durch den Anbieter zwingend erforderlich, da hier hohe Roaming-Gebühren oder Netzinkompatibilitäten drohen.

Schnelle Übersicht: Notrufsysteme im Urlaubs-Check
Kriterium Stationärer
Hausnotruf
Mobiler GPS-Notruf (EU
Ausland)
Mobiler GPS-Notruf
(Nicht-EU-Ausland)
Funktion im
Urlaub
Nein (nur zu Hause)  Ja (flächendeckend bei
Mobilfunkempfang)
Eingeschränkt
(Anbieter-Freigabe &
Roaming nötig)
Ortung im
Notfall
Nicht notwendig
(feste Adresse)
Ja (präzise GPS-Ortung
per Satellit)
Ja (präzise GPS-Ortung
per Satellit)
Mobilfunk
Gebühren
Keine Keine Zusatzkosten (EU
Roaming inklusive)
Mögliche Roaming
Kosten (Tarifabhängig)
Pflegekassen
Zuschuss
Bis zu 25,50
€/Monat
Bis zu 25,50 €/Monat (für
anerkannte Basisgeräte)
Bis zu 25,50 €/Monat
(nur für deutschen Basis
Tarif)
Notrufzentral 24⁄7 besetzt
(deutschsprachig)
24⁄7 besetzt
(deutschsprachig aus
Deutschland)
24⁄7 besetzt
(deutschsprachig aus
Deutschland)

Funktioniert mein Hausnotruf auch im Auslandsurlaub?

Ein herkömmlicher, stationärer Hausnotruf, der an das Festnetz oder eine feste Basisstation in Ihrer Wohnung gekoppelt ist, funktioniert im Ausland nicht. Die technische Reichweite des dazugehörigen Notrufknopfs (als Armband oder Halskette) beträgt maximal 30 bis 50 Meter um die heimische Basisstation herum. Sobald Sie Ihr Grundstück verlassen, verliert der Sender den Kontakt zur Station, sodass im Ernstfall kein Alarm mehr ausgelöst werden kann.

Für die Sicherheit im Urlaub benötigen Sie zwingend ein mobiles Notrufsystem. Diese modernen Geräte sind mit einer eigenen SIM-Karte und einem GPS-Empfänger ausgestattet. Sie funktionieren unabhängig von einer festen Basisstation überall dort, wo eine Mobilfunkverbindung besteht – also auch im europäischen Ausland.

Experten-Tipp:

Viele Senioren scheuen sich, ein klobiges Notrufgerät zu tragen. Moderne Notrufsysteme sind heute jedoch kaum noch von einer eleganten Smartwatch oder einer klassischen Armbanduhr zu unterscheiden. Sie bieten die gleiche Sicherheit, ohne als „Hilfsmittel“ aufzufallen

Wie funktioniert ein mobiler Notruf auf Reisen im Ausland?

Ein mobiler Notruf nutzt im Ausland das lokale Mobilfunknetz des Urlaubslandes, um eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale in Deutschland aufzubauen. Sobald Sie den Notrufknopf drücken, läuft der folgende Prozess ab:
  1. Verbindungsaufbau: Das Gerät wählt sich über das stärkste verfügbare Mobilfunknetz vor Ort ein und stellt eine direkte Sprechverbindung her.

  2. GPS-Ortung: Gleichzeitig sendet das Gerät die exakten GPS-Koordinaten Ihres Standorts an die Zentrale. Die Ortung funktioniert metergenau, egal ob Sie sich in einer spanischen Altstadt oder auf einem Wanderweg in den Alpen befinden.

  3. Professionelle Hilfe: Die Notrufzentrale in Deutschland nimmt den Ruf rund um die Uhr entgegen. Die geschulten Mitarbeiter sprechen Deutsch, was besonders im Ausland bei Sprachbarrieren lebensrettend ist.

  4. Rettungskette: Die Zentrale verständigt je nach Schwere der Notlage die lokalen Rettungskräfte im Urlaubsland (z. B. über den internationalen Notruf 112) oder informiert Ihre mitgereisten Angehörigen.

Hinweis zur Sturzerkennung:

Viele mobile Notrufsysteme verfügen über eine automatische Sturzerkennung. Ein integrierter Beschleunigungssensor registriert einen abrupten Sturz und anschließende Bewegungslosigkeit. Reagieren Sie nicht auf das Vorwarnsignal des Geräts, wird automatisch ein Notruf inklusive Ihrer GPS Daten abgesetzt – ein unschätzbarer Vorteil, falls Sie das Bewusstsein verlieren.

Welche Kosten entstehen beim Hausnotruf im Ausland und greift das EU-Roaming?

Innerhalb der Europäischen Union (EU) sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen fallen für die Nutzung eines mobilen Hausnotrufs keine zusätzlichen Roaming Gebühren an. Dank der gesetzlichen EU-Roaming-Verordnung gilt das Prinzip „Roam like at home“: Die im Notruf-Vertrag enthaltene SIM-Karte telefoniert und sendet Daten im EU-Ausland zu denselben Konditionen wie in Deutschland.
Kostenfallen außerhalb der EU (Drittstaaten)

Reisen Sie in Länder außerhalb der EU – wie beispielsweise in die Türkei, nach Tunesien, Ägypten, in die Schweiz oder nach Großbritannien –, greift die EU Verordnung nicht. Hier können erhebliche Kostenrisiken entstehen:

  • Sondertarife: Ohne vorherige Absprache mit dem Anbieter können extrem hohe Roaming-Gebühren für Daten und Telefonminuten anfallen.

  • Netzausschluss: Einige Anbieter sperren die SIM-Karte im Nicht-EU-Ausland standardmäßig, um den Kunden vor hohen Rechnungen zu schützen. Das Gerät ist dann im Urlaub komplett funktionslos.

  • Schiffs- und Flugzeugnetze: Nutzen Sie das Gerät auf einer Kreuzfahrt oder im Flugzeug, wählen sich die Geräte oft in teure Satellitennetze ein. Hier gilt der EU Kostenschutz nicht, was zu extremen Kosten führen kann.

Zahlt die Pflegekasse den Hausnotruf auch für den Urlaub?

Die gesetzliche Pflegekasse übernimmt für anerkannte Hausnotrufsysteme ab Pflegegrad 1 einen monatlichen Zuschuss von 25,50 Euro für die laufenden Betriebskosten. Diese Pauschale ist im Sozialgesetzbuch (§ 40 Abs. 4 SGB XI) als Leistung zur Wohnumfeldverbesserung bzw. als Pflegehilfsmittel geregelt.
Für die Nutzung im Ausland gelten jedoch strikte gesetzliche Grenzen:
  • Zuschuss nur für die Basisleistung: Die Pflegekasse zahlt den Zuschuss nur für die Bereitstellung des zertifizierten Hausnotrufsystems in Deutschland.

  • Keine Übernahme von Auslands-Zusatzpaketen: Eventuelle Zusatzgebühren, spezielle Auslandstarife oder die Anschaffungskosten für rein private Urlaubs Notrufgeräte müssen Sie als Eigenanteil selbst tragen.

  • Voraussetzung des Alleinlebens: Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für den Hausnotruf in der Regel nur dann, wenn der Pflegebedürftige in Deutschland allein lebt oder über weite Teile des Tages auf sich allein gestellt ist.

Welche Anbieter bieten mobile Notrufsysteme mit Auslandsfunktion an?

Auf dem deutschen Markt gibt es verschiedene Anbieter, die sich auf mobile Notrufsysteme mit GPS-Ortung und Roaming-Funktionalität spezialisiert haben. Ein Vergleich der Konditionen zeigt deutliche Unterschiede bei den monatlichen Kosten und dem Leistungsumfang:
Anbieter System-Typ Monatliche Kosten (ohne Pflegegrad) Effektive Kosten (mit Pflegegrad Zuschuss) Wichtige Besonderheiten für den Urlaub
Patronus Notrufuhr (unauffälliges Design) ab ca. 39,00 € ab ca.
13,50 €
Funktioniert im EU Ausland; sehr unauffällig; App für Angehörige inklusive
Libify
(libifyMobil
2.0)
Mobiler Schlüsselanhänger/Sender ab ca. 40,00 € ab ca.
14,50 €
Automatische Sturzerkennung; 24⁄7 Notrufzentrale; exzellente GPS Ortung
Johanniter
(Mobil)
Mobiles Handgerät + Basisstation ab ca. 77,00 € ab ca.
51,50 €
Premium Wohlfahrtsverband; deutschlandweit & EU-weit einsatzbereit; oft inklusive Schlüsselhinterlegung
Alarmbands Notrufarmband / Uhr Einmalkauf (ca. 200 €) Kein Zuschuss (da kein Abo) Speziell für Langzeit Urlauber (z. B. Überwinterer in Spanien); sendet SMS an 5 private Kontakte

Checkliste: So bereiten Sie Ihren Hausnotruf optimal auf den Urlaub vor

Welche vertraglichen Details sollten Sie vor der Unterschrift genau prüfen?

Damit Ihr mobiler Notruf im Urlaub im entscheidenden Moment Leben retten kann, sollten Sie vor der Abreise folgende Punkte konsequent prüfen:

  • Anbieter kontaktieren: Informieren Sie Ihren Notrufanbieter über Ihr genaues Reiseziel und den Reisezeitraum. Fragen Sie explizit nach, ob die SIM-Karte im Zielland aktiv ist und ob Roaming-Gebühren anfallen.

  • Netzabdeckung prüfen: Erkundigen Sie sich, ob an Ihrem Urlaubsort (insbesondere in Bergen oder abgelegenen Küstenregionen) eine ausreichende Mobilfunkabdeckung vorhanden ist.

  • Akkulaufzeit und Ladegerät: Mobile GPS-Geräte verbrauchen durch die permanente Netzsuche im Ausland oft mehr Strom. Laden Sie das Gerät vor der Abreise voll auf und packen Sie das passende Ladekabel sowie ggf. einen Steckdosen-Adapter für das Urlaubsland ein.

  • Notfallkontakte aktualisieren: Hinterlegen Sie beim Anbieter die Telefonnummern von Angehörigen, die während Ihrer Reise erreichbar sind, oder von Personen vor Ort (z. B. Hotelrezeption).

  • Medizinische Daten hinterlegen: Aktualisieren Sie Ihren Medikationsplan und bekannte Vorerkrankungen beim Notrufanbieter, damit die Notrufzentrale im Ernstfall den ausländischen Rettungsdienst präzise instruieren kann.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ja. Wenn Sie den Notrufknopf drücken, verbindet Sie das Gerät mit der deutschen Notrufzentrale des Anbieters. Die Mitarbeiter dort können bei einem akuten medizinischen Notfall direkt die Rettungsleitstelle im jeweiligen Urlaubsland kontaktieren und Ihren via GPS ermittelten Standort übermitteln.

Sollten Sie den Notruf versehentlich auslösen (z. B. beim Kofferpacken), ist das kein Problem. Die Notrufzentrale meldet sich über die Sprechverbindung bei Ihnen. Sagen Sie den Mitarbeitern einfach kurz Bescheid, dass es sich um ein Versehen handelt.
Für einen solchen Fehlalarm entstehen Ihnen keine zusätzlichen Kosten.

 

Auf hoher See funktioniert die normale Mobilfunkverbindung nicht. Schiffe nutzen eigene Satelliten-Netze, die extrem teuer sind und nicht unter die EU-Roaming-Verordnung fallen. Schalten Sie das mobile Notrufgerät an Bord am besten aus, um astronomische Mobilfunkrechnungen zu vermeiden, und nutzen Sie stattdessen die bordeigenen Notrufsysteme.

Die Akkulaufzeit variiert je nach Modell stark. Während klassische Notrufarmbänder ohne GPS oft mehrere Wochen oder Monate durchhalten, müssen moderne GPS-Notrufuhren meist alle 1 bis 3 Tage aufgeladen werden. Durch die ständige Netzsuche im Ausland kann sich die Akkulaufzeit zusätzlich verkürzen.

1 Impora Hausnotruf (2026). Hausnotruf bei Demenz: Sicherheit & Hilfe zuhause
2 Verbraucherzentrale (2026). Hausnotrufsysteme: Schneller Draht zur Hilfe.
3 Gesund.bund.de (2026). Hausnotruf – schnelle Hilfe auf Knopfdruck.
4 Deutsche Alzheimer Gesellschaft (2023). Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen
5 Digidem Bayern (2024). Mehr Stürze bei Menschen mit Alzheimer-Demenz
6 Pflege.de (2026). GPS Tracker bei Demenz: Ortungssyteme für Betroffene.
7 Bundesministerium der Justiz. § 40 SGB XI Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.