Hausnotruf für alleinlebende Senioren:

Alle Kosten, Zuschüsse & Empfehlungen im Überblick

Sebastian Neugart

 

Viele ältere Menschen in Deutschland wünschen sich, so lange wie möglich selbstbestimmt und unabhängig in den eigenen vier Wänden zu leben. Doch gerade für alleinlebende Senioren bergen alltägliche Situationen wie ein Sturz oder plötzliche Kreislaufprobleme erhebliche Risiken. Ein Hausnotrufsystem bietet hier die ideale Lösung: Es schenkt den Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit und entlastet gleichzeitig die Angehörigen, da im Ernstfall rund um die Uhr schnelle und professionelle Hilfe organisiert wird. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die Besonderheiten für Alleinlebende, die Voraussetzungen für eine volle Kostenübernahme durch die Pflegekasse und worauf Sie bei der Auswahl des passenden Anbieters achten müssen.

Das Wichtigste in Kürze

Wer hat Anspruch auf einen kostenlosen Hausnotruf?

Alleinlebende Senioren mit einem anerkannten Pflegegrad (1 bis 5) haben Anspruch auf eine Kostenübernahme durch die Pflegekasse. Die Kasse übernimmt seit dem 1. April 2026 im Basistarif monatlich bis zu 25,50 Euro sowie eine einmalige Installationspauschale von 10,49 Euro. Für Betroffene ist das Basis-Paket damit komplett zuzahlungsfrei. Besonderheiten für Alleinlebende sind spezielle Sicherheitsfunktionen wie die tägliche “Mir-geht-es-gut-Taste” (Inaktivitätsmelder) und automatische Falldetektoren.

Kriterium / Leistung Basis-Paket Komfort-Paket Premium- / Mobil Paket
Monatliche
Kosten
25,50 € bis 27,00 € 35,00 € bis 39,00 € 45,00 € bis 60,00 €
Zuschuss
Pflegekasse
25,50 € / Monat 25,50 € / Monat  25,50 € / Monat
Effektiver
Eigenanteil
0,00 € (bei PG 1-5)  ca. 10,00 € bis 14,00 € ca. 20,00 € bis 35,00 €
Wichtigste
Leistungen
Notrufgerät + Sender
(Armband/Kette), 24⁄7 Zentrale, Benachrichtigung von
Kontaktpersonen
Alles aus Basis +
Schlüsselhinterlegung vor Ort,
Hinterlegung von Gesundheitsdaten
Alles aus Komfort +
Mobiler GPS
Notruf,
automatische
Sturzerkennung

Warum ist ein Hausnotruf für alleinlebende Senioren so wichtig?

Welche Risiken bestehen für ältere Menschen, die allein im eigenen Haushalt leben?

Das Hauptrisiko für alleinlebende Senioren liegt darin, nach einem häuslichen Unfall oder bei einem plötzlichen medizinischen Notfall stunden- oder gar tagelang unbemerkt ohne Hilfe in der Wohnung zu liegen. Laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stürzen rund 23,8 % der über 65-Jährigen in Deutschland mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 80-Jährigen liegt diese Quote noch deutlich höher, und die Folgen sind oft schwerwiegend.

Da laut Statistischen Bundesamt (Destatis) rund 46 % aller Haushalte mit Personen ab 65 Jahren reine Einpersonenhaushalte sind (bei den über 85-Jährigen sind es sogar 62 %), ist im Ernstfall meist niemand vor Ort, der sofort reagieren kann.

“Die Angst vor dem Stürzen und dem anschließenden Liegenbleiben ist eine der größten psychischen Belastungen für alleinlebende Senioren. Ein Hausnotruf nimmt diese Angst und gibt den Betroffenen sowie ihren oft weit entfernt wohnenden Angehörigen die Gewissheit, dass im Ernstfall innerhalb von Minuten Hilfe organisiert wird.” — Luisa Scholz, zertifizierte Pflegeberaterin nach § 7a SGB XI

Welche technischen Systeme eignen sich am besten für Alleinlebende?

Welche Unterschiede gibt es zwischen stationären und mobilen Notrufsystemen?

Für alleinlebende Senioren wird grundsätzlich zwischen dem klassischen, stationären Hausnotruf für die Wohnung und mobilen Notrufsystemen für unterwegs unterschieden. Die Wahl des richtigen Systems hängt stark vom individuellen Aktionsradius und dem Gesundheitszustand des Seniors ab.

  1. Der klassische (stationäre) Hausnotruf
    Dieses System besteht aus einer Basisstation mit einer leistungsstarken Freisprecheinrichtung (Wechselsprechanlage) und einem kleinen, wasserdichten Funksender (Notrufknopf). Der Sender wird wahlweise als Armband oder als Halskette direkt am Körper getragen.

    Vorteil: Extrem zuverlässig, wasserdicht (kann auch unter der Dusche oder in der Badewanne getragen werden, wo die meisten Stürze passieren) und sehr einfache Bedienung per Knopfdruck.

    Reichweite: Der Funksender hat eine Reichweite von ca. 30 bis 50 Metern und
    deckt damit die gesamte Wohnung sowie oft auch den Keller oder den Garten ab.

  2. Der mobile Notruf (GPS-Notrufsysteme)
    Für Senioren, die noch aktiv sind, gerne spazieren gehen oder einkaufen, eignet sich ein mobiles System wie eine GPS-Notruf-Uhr.

    Vorteil: Funktioniert überall über das Mobilfunknetz. Bei Auslösen des Alarms
    wird nicht nur eine Sprechverbindung aufgebaut, sondern die Notrufzentrale kann den genauen Standort des Seniors per GPS metergenau orten und die Rettungskräfte gezielt leiten

Welche Zusatzfunktionen bieten maximale Sicherheit für Alleinlebende?

Welche technischen Erweiterungen sind für Personen ohne Mitbewohner besonders zu empfehlen?

Da alleinlebende Senioren im Falle einer Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit den Notrufknopf nicht mehr selbstständig drücken können, sind spezielle Zusatzfunktionen
lebensrettend.

  • Die “Mir-geht-es-gut-Taste” (Inaktivitätsmelder)
    Diese Funktion (auch Tagestaste genannt) ist eine der wichtigsten Empfehlungen für Alleinlebende. Der Senior vereinbart mit dem Anbieter, einmal oder zweimal am Tag (z. B. morgens nach dem Aufstehen) eine grüne Taste an der Basisstation zu drücken. Bleibt diese Bestätigung aus, versucht die Zentrale zunächst, den Senior telefonisch zu erreichen. Gelingt dies nicht, wird automatisch ein Alarm ausgelöst und eine Kontaktperson oder der Rettungsdienst verständigt.

  • Der automatische Falldetektor (Sturzsensor)
    Ein Sturzsensor wird meist als Armband oder Clip am Gürtel getragen. Er misst mittels Beschleunigungssensoren und Luftdruckveränderungen den typischen Verlauf eines Sturzes. Registriert das Gerät einen harten Aufprall gefolgt von einer anschließenden Bewegungslosigkeit, löst es nach wenigen Sekunden vollautomatisch einen Notruf aus selbst wenn der Nutzer bewusstlos ist.

Was kostet ein Hausnotruf und wie hoch ist der Zuschuss der Pflegekasse?

Mit welchen monatlichen und einmaligen Kosten müssen Senioren rechnen?

Die monatlichen Gebühren für ein Hausnotrufsystem hängen vom gewählten Leistungspaket ab. Die großen Wohlfahrtsverbände wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Malteser, die Johanniter und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) orientieren sich beim Basistarif eng an den Erstattungssätzen der Pflegekassen.